Erweiterung Rathaus Ahrensburg

Stadt Ahrensburg

Ahrensburg, Deutschland

Offener Wettbewerb, 2020

Räume, die sich mit dem Unvorhersehbaren auseinandersetzen

Das Projekt konfrontiert den Diskurs der idealen Stadt bzw. Nachbarschaft mit den Vorgaben eines festgelegten thematischen Rahmens sowie mit den Prämissen des aktuellen Kontextes, der durch Vielfalt, Dichte, Mobilität und Variabilität gekennzeichnet ist.

Auf der einen Seite passt der Vorschlag kritisch die Hypothesen des historischen Modells einer idealen Stadt an – eines Modells, das in Übereinstimmung mit besonderen rationalen oder moralischen Zielen konzipiert wurde, die sich in philosophischen Erkundungen materialisierten und in ikonischen urbanen Raumelementen verkörperten. Diese basierten meist auf dem Raster als Planungsinstrument für ein Territorium, das in einer idealisierten natürlichen Umgebung eingerichtet war. Die quadratische Form prädisponiert zur Autonomie, doch diese Bedingung kann paradoxerweise nur erfüllt werden, wenn die Nachbarschaft mit den vier angrenzenden Nachbarschaften in Wechselbeziehung steht. Das scheinbar unerbittliche Raster offenbart bei genauerem Hinsehen unerschöpfliche Ressourcen. Die 16 Einzelzellen nehmen auf ihrer Ebene die Qualitäten des Ensembles, das sie bilden, organisch wieder auf. Dieser Prozess setzt sich in der Tiefe, auf einer Mikroskala, fort (Stadt – Nachbarschaft, Viertel, Stadtblock, Wohneinheit, Gemeinschaftsraum, Wohnung, Einzelzimmer).

Zum anderen distanziert sich der Vorschlag von der „geschlossenen“ Konfiguration des historischen Modells. Visionen für Städte dienen dazu, im Voraus zu planen, Achsen zu entwerfen, bebaubare Flächen zu identifizieren, zu antizipieren und vorherzusagen. Wir sind der Überzeugung, dass ein gewisses Maß an Unbestimmtheit und ein offener programmatischer Ansatz ein angemesseneres Modell für den sich ständig verändernden Kontext der Gegenwart darstellen. Anstelle von starren Achsen und Hierarchien arbeiten wir mit lokalen Beziehungen und Keimprinzipien. Der Vorschlag greift städtebauliche Parameter und mathematische Daten auf, versucht jedoch, mehr als nur eine „richtige“ Lösung zu liefern: Er will Arbeitswerkzeuge bereitstellen und zugleich ein gewisses Maß an Unbestimmtheit, Informalität und Mehrdeutigkeit bewahren. Eine Arbeit, die offen für sukzessive Interpretationen und Entwicklungsperspektiven ist, hat bessere Chancen, zu einem Modell zu werden, das sich an Ort und Zeit anpassen kann. Verwurzelung und Wachstum sind dabei wesentlich, Flexibilität wird zu einem zentralen Ziel. Das fehlende Modul ist für das Puzzle unentbehrlich; es wird tatsächlich zu einem zusätzlichen Modul – einem Puffer, der in der Lage ist, unvorhergesehene Situationen aufzufangen und dadurch die internen Verbindungen zu stärken. Es findet sich auf allen Ebenen der Tiefe und des Details wieder.

Auf der Ebene der Nachbarschaft trifft die Abfolge urbaner Leerstellen im Zugangsbereich auf die Stadt. Der Streifen wird zu einem durchlässigen, aber begehbaren künstlichen Park – offen für Aktivitäten und Überschneidungen. Die fehlende Ecke eines Häuserblocks verändert die Wahrnehmung einer Kreuzung oder eröffnet eine unerwartete Möglichkeit, das Gefüge zu durchqueren. Ein solches unbebautes Modul kann von den Bewohnern flexibel angeeignet werden und zu fruchtbarem Boden für spontane Vegetation (Brache) werden. Eines der Gebäude auf dem Quartiersplatz ist ein zweigeschossiger Kubus, der ohne feste Funktion konzipiert ist und eine Raumreserve sowie Nutzungsfreiheit bietet, die sich den Bedürfnissen der wachsenden Gemeinschaft anpassen kann. Alle Erdgeschosse sind großzügig hoch und damit offen für eine nachträgliche Nutzungsänderung. Ein Pavillon im Freiraum des Blocks, hinter dem Hof eines Stadthauses oder als generisches Raummodul – ohne festgelegte Funktion – in einem Block oder als Co-Living, potenzieller Unterschlupf für Gäste oder gegebenenfalls als Arbeitsraum: All dies sind Möglichkeiten, sich dem Unvorhersehbaren zu nähern.

PROJEKTTEAM

Architekten
Andrei Şerbescu
Adrian Untaru
Bogdan Brădăţeanu
Esenghiul Abdul
Andrei Musetescu
Aleca Bunescu
Theodor Dinu
Oana Gramada
Cezara Lorent
Stefan Diaconescu

Landschaftsarchitekten
Christian Beros
Cristiano del Torro

Rendering
Adrian Bratu
Laura Mihalache